Ein Leben ohne Gewalt

für Kinder und Jugendliche!

AGT

20-Stunden-Antigewalttraining - Ein Konzept gegen Gewalttätigkeit und zur Stärkung sozialer Kompetenzen

Aggressive Kinder und Jugendliche sind in sozialen Bezügen aufgewachsen, die sich durch einen großen Mangel an Berechenbarkeit und Vorhersehbarkeit auszeichnen. Sie sind daher in besonderer Weise auf eine klare und eindeutige
Orientierung angewiesen. Ein effektiver, institutioneller Ordnungsrahmen verbessert das soziale Klima und trägt zur Minderung aggressiver Verhaltensweisen bei.

1.    Zielgruppe

Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, die durch aggressives, zerstörerisches Verhalten auffällig geworden sind. Zu unserer Klientel gehören verurteilte Straftäter, die ihr Training per Auflage absolvieren müssen, genauso wie Schüler und Jugendclub-besucher, die nur ab und an durch gewalttätiges Verhalten auffällig geworden sind.
Es besteht die Möglichkeit, auch Mädchen- oder Frauengruppen in dieser Trainingsmethode zu behandeln. Wir trennen diese Gruppen von den männlichen Teilnehmern, weil eine Mischung dazu führt, dass keine Seite offen und authentisch agiert. (Bei Altersgruppen zwischen 9 und 12 Jahren ist eine Mischung möglich)

2.    Ausführung

Die Anteilnahme am Sozialisationsschicksal gewaltbereiter Jugendlicher gehört zum Selbstverständnis aller Pädagogen, weil es an Fachhochschulen und Universitäten gelehrt wird. Gewalt fasziniert Täter, Opfer und Betrachter gleichermaßen. Die
Gefühle der Opfer und deren Perspektive sind von besonderer Bedeutung im Umgang mit gewaltbereiten Jugendlichen, weil es für Gewalttäter das Tabuthema darstellt.
Ursachen, Auslöser und Gelegenheiten werden Gegenstand der Analyse des gewalttätigen Verhaltens von Kindern und Jugendlichen.
Konfrontative Pädagogik ist “geführte Gruppeninteraktion”, letztlich klassische, soziale Kontrolle im Gewand der Peer-Group-Education. Im  AGT wird vom Trainer ein Gruppenprozess initiiert, der Verhaltensänderungen herbeiführen soll. Es geht nicht um Persönlichkeitsveränderungen in Sinne eines therapeutischen Ansatzes.

2.1.    Täter

  • hauptsächlich Jungen (wobei auch die Mädchen vermehrt auffällig sind)
  • eigene Opfererfahrungen
  • zeichnen sich durch niedriges Selbstwertgefühl aus
  • leben eine “Achterbahn” aus Rambo und Versager
  • weisen große Empathie-Defizite aus
  • leben mit der Alltagslüge der großen Beliebtheit
  • das Opfer wird zur “Tankstelle” des eigenen Selbstwertgefühls
  • berauschen sich am Machtanspruch und der Unterwerfungsidee (“Gewalt ist geil!”)
  • sind Experten im Verharmlosen und Legitimieren ihrer Taten.

2.2.    Opfer

  • tragen zur Geheimhaltung bei, weil sie Angst vor den Tätern haben
  • schämen sich Opfer zu sein
  • verfügen nicht über ausreichenden Selbstschutz
  • tragen häufig zur Entstehung und Verschärfung bei, indem sie sich immer wieder
  • durch Körpersprache “anbieten”
  • sind nicht in der Lage, in Konfliktsituationen ein eigenes “Drehbuch” zu schreiben
  • befürchten nicht ernst genommen zu werden.


2.3. Gruppe

  • ist häufig von Angst und Hilflosigkeit gelähmt oder feuert zur Gewaltausweitung an
  • verfügt nicht über ein Handlungskonzept


3. Lernziele / Lerninhalte / Methoden

3.1. Lernziele

  • Erkennen der eigenen Befindlichkeit in Konflikten, Wahrnehmung eigener Täter-Opfer-Dispositionen
  • Erkennen der eigenen persönlichen Möglichkeiten, sich selbst zu akzeptieren,
  • Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen
  • Akzeptanz eigener begrenzter Kommunikationen, Erkennen vieler subjektiver
  • Wahrheiten, individuelle Voraussetzungen für Kommunikation
  • Interesse an gemeinsamen Zielen, Wecken von gegenseitigen Interessen und Akzeptanz
  • Aushalten erster leichter Konfrontationen, sich zum Problem bekennen, die Erkenntnis gewinnen, nicht alleine zu sein
  • Erkennen von Rollenverhalten, Rollenzuweisungen und Rollenerwartungen
  • Aushalten von Provokationen, mehr Übung in der Frustrationstoleranz, kreative, lockere Kommunikation auf “Anmache”
  • Reduzierung der Feindlichkeitswahrnehmung
  • sinnvolles Verhalten in Bedrohungssituationen


3.2. Lerninhalte

  • Kennenlernen der Existenz von Aggressionen als natürlichen Persönlichkeitsanteil
  • Selbstexploration als Täter und Opfer
  • Visualisierung von Befindlichkeiten
  • Auseinandersetzung mit positiven und negativen Persönlichkeitsanteilen
  • Visualisierung von Befindlichkeiten in Gruppen (Themen: Sexismus, Rassismus, Macht und Ohnmacht, Gewalt und Adultismus)
  • Visualisierung von weiblichen und männlichen Rollenbildern, die Rolle als Kind, Jugendlicher, Erwachsener, Funktionsträger
  • Hierarchisierung von Empfindlichkeiten (Beleidigungen, Schimpfworte, Rempelei, Provokationen)
  • Strukturen menschlicher Begegnungen kennen lernen (Rituale, Territorien, Nähe und Distanz)
  • Gewalt vermeiden durch aktive Kommunikation, aus der Rolle des Opfers  Ausbrechen


3.3. Methoden / Medien

  • Partnerinterview
  • Übungen gegen Anmache, Gruppengespräche, Konfrontationsübungen
  • Körpersprache, Interaktionsspiele, Rollenspiele
  • Deeskalationsstrategien
  • Täterkarriere reflektieren
  • Kosten- Nutzen- Analyse
  • Status- Wippe


3.    Die Regeln / der Vertrag

Damit das Training durchgeführt werden kann, wird mit den Teilnehmern ein Vertrag abgeschlossen. Dieser beinhaltet gleichzeitig die Regeln des Trainings, deren Verstoß konfrontiert wird.

Die Regeln:

  • Jeder darf aussprechen, wird nicht unterbrochen.
  • Keiner wird “fertiggemacht” oder ausgelacht.
  • Niemand wird verletzt.
  • “Stopp!” bedeutet Aussetzen jeden Handelns.
  • Es wird niemand bestraft.
  • Aussagen einzelner Teilnehmer unterliegen der Schweigepflicht und dürfen von keiner Seite nach außen getragen werden.
  • Die Missachtung einer Regel hat eine Konfrontation zur Folge.
  • Die Regeln werden bei Akzeptanz von allen Teilnehmern, inklusive Trainern unterschrieben

.
5. Die Durchführung

Das Training ist auf 20 Stunden ausgelegt. Durchgeführt wird es von 2 lizenzierten Anti- Aggressivitäts- Trainern oder mindestens einem lizenzierten Trainer und einer pädagogischen Fachkraft. Die Zuweisung erfolgt durch die Jugendämter, welche auch die Eignung des Teilnehmers für das Training prüfen. Das Training findet an zwei aufeinander folgenden Wochenenden (Freitags von 16.00- 21.00 Uhr und Samstags von 9.00- 14.00 Uhr) statt.

6.Finanzierung

Das Training kostet pro Training mit zwei lizenzierten Trainern 1600,00 €.
Für einen Trainer : 40,00 € Fachleistungsstunde x 20 Stunden = 800,00 €.

Bei einer Gruppe von 8 Teilnehmern kostet ein Training für den einzelnen Teilnehmer: 200,00 €.